Dominant begonnen, entschlossen beendet: Suhl holt ersten Playoff-Sieg
Der erste Schritt ist gemacht. Der VfB Suhl LOTTO Thüringen hat sein erstes Playoff-Viertelfinale gegen den VC Wiesbaden mit 3:1 gewonnen und damit in der Wolfsgrube ein wichtiges Zeichen gesetzt. Doch wer nur auf den furiosen ersten Satz schaut, würde diesem Spiel nicht gerecht werden. Denn dieser Erfolg war weit mehr als ein lockerer Pflichtsieg. Es war ein Abend voller Energie, Spannung, kurzer Wackler und einer Mannschaft, die genau dann wieder in ihre Spur fand, als es darauf ankam. Suhl gewann mit 25:9, 25:27, 25:17 und 25:20 gegen den VCW und zeigte dabei nicht nur Qualität, sondern auch Reife.
Schon vor dem ersten Ballwechsel war spürbar, dass dieser Nachmittag etwas Besonderes hatte. Es war der erste Heimauftritt nach dem Pokalerfolg, die Euphorie in der Halle war groß, die Wolfsgrube voller Erwartung. 1.289 Zuschauer trugen die Mannschaft, die als Tabellenzweiter der Hauptrunde mit viel Selbstvertrauen in diese Playoffs gegangen war. Doch genau vor dieser scheinbar klaren Ausgangslage hatte Suhls Cheftrainer László Hollósy gewarnt. Er machte deutlich, dass Wiesbaden keinesfalls unterschätzt werden dürfe. Auch aus dem Lager des VC Wiesbaden war die Rollenverteilung klar benannt worden: Der VCW reiste als Außenseiter an, wollte aber aus seiner kleinen Chance mehr machen. Genau so entwickelte sich dieses Spiel dann auch.
Der erste Satz war ein Statement. Suhl spielte mit einer Wucht, Klarheit und Konsequenz, die Wiesbaden sofort den Rhythmus nahm. Die Gastgeberinnen blockten stark, verteidigten aufmerksam und zogen ihr Angriffsspiel mit beeindruckender Entschlossenheit auf. Besonders im Block setzte der VfB früh Zeichen. Wiesbaden fand kaum Lösungen gegen die kompakte Arbeit am Netz, während Suhl Punkt für Punkt davonzog. Das 25:9 war kein gewöhnlicher Satzgewinn, sondern eine Demonstration dessen, was diese Mannschaft auf das Feld bringen kann, wenn sie mental voll da ist. Die Halle war sofort im Spiel, und auf dem Feld wirkte es, als könne der VfB den Gegner überrollen.
Doch Playoffspiele leben eben auch davon, dass sie ihre eigene Dynamik entwickeln. Nach dem überragenden 25:9 im ersten Satz ließ bei Suhl im zweiten Durchgang die mentale Spannung etwas nach. Wiesbaden agierte nun stabiler und mutiger, während sich bei den Gastgeberinnen ein kleiner Konzentrationsabfall einschlich. So kippte der Satz trotz zwischenzeitlicher Vorteile noch mit 25:27. Genau in dieser Phase zeigte der VCW, warum er trotz Außenseiterrolle gefährlich sein kann. Die Hessinnen spielten entschlossener über außen, hielten den Druck hoch und nutzten die Momente, in denen Suhl nicht mehr ganz so präzise agierte. Aus einem Spiel, das nach einem sehr schnellen Abend ausgesehen hatte, wurde plötzlich ein echtes Playoffduell. Diese Sicht teilen auch andere Berichte zum Spiel: Dort wird Wiesbadens Auftritt als leidenschaftlich, mutig und widerstandsfähig beschrieben, besonders nach dem deutlichen Fehlstart im ersten Satz.
Und genau hier zeigte sich eine Stärke, die diese Suhler Mannschaft in dieser Saison immer wieder ausgezeichnet hat: Sie kann sich während eines Spiels neu sortieren. In den Sätzen drei und vier fanden die Thüringerinnen zur alten mannschaftlichen Geschlossenheit zurück und besannen sich auf ihre Stärken. Plötzlich war wieder mehr Ordnung im Spiel, mehr Zugriff in den Rallyes und mehr Überzeugung in den entscheidenden Situationen. Die Verunsicherung aus dem zweiten Satz war nicht verschwunden, weil sie ignoriert wurde, sondern weil Suhl aktiv dagegenhielt.
Besonders bemerkenswert ist dabei etwas, das für diese Mannschaft typisch geworden ist: Wenn es bei den etablierten Spielerinnen einmal nicht ganz rund läuft, rückt eine andere in den Mittelpunkt. Genau das passierte auch an diesem Abend. Sanaa Dotson übernahm Verantwortung, setzte wichtige Punkte und war immer wieder die Spielerin, die dem Suhler Spiel in kritischen Phasen neue Energie gab. Vor allem im dritten Satz hielt sie den VfB stabil, als das Spiel kurz zu kippen drohte. Und auch im vierten Durchgang war sie eine der prägenden Figuren auf dem Feld. Dass sie als MVP der Partie ausgezeichnet wurde, passt zu diesem Eindruck.
Wiesbaden blieb jedoch unangenehm. Der VCW las das Suhler Spiel phasenweise gut, setzte gezielte Nadelstiche und machte es dem Favoriten schwer, sich entscheidend abzusetzen. Bis weit in den vierten Satz hinein blieb die Partie offen. Beim Stand von 13:13 war zu spüren, dass jeder kleine Fehler das Spiel noch einmal drehen könnte. Doch dann schlug Suhl wieder zu. Der VfB zog an, gewann die wichtigen Punkte und stellte auf fünf Zähler Vorsprung. Selbst als es beim 24:20 noch einmal einen kurzen Moment des Zögerns gab und Hollósy zur Auszeit greifen musste, behielt seine Mannschaft die Kontrolle. Wenig später war der Sieg perfekt.
Dieser 3:1-Erfolg war deshalb so wertvoll, weil er nicht nur die individuelle Qualität des VfB zeigte, sondern auch seine Fähigkeit, auf Widerstand zu reagieren. Suhl startete furios, geriet ins Stolpern, fing sich wieder und beendete die Partie mit der nötigen Klarheit. Es war kein glatter Spaziergang, sondern ein Sieg mit Charakter. Genau solche Spiele können in den Playoffs den Unterschied machen.
Auch die Stimmen außerhalb des Suhler Umfelds gehen in diese Richtung. Während die Volleyball Bundesliga Suhl schon vor der Serie als Überraschungsmannschaft der Saison 2025/2026 einordnete, wurde nach dem Spiel vor allem hervorgehoben, dass Wiesbaden mutig dagegenhielt, Suhl seine Chancen aber konsequenter nutzte. Das klingt nüchtern, beschreibt aber letztlich genau das, was diesen Nachmittag ausmachte: Der VCW wehrte sich mit Leidenschaft, doch der VfB hatte die besseren Antworten.
Am Ende bleibt ein verdienter Heimsieg, getragen von einer starken Kulisse, einem überragenden ersten Satz, einer wichtigen Reaktion nach dem Satzverlust und einer Mannschaft, die sich in den entscheidenden Momenten aufeinander verlassen konnte. Der Auftakt in die Viertelfinalserie ist gelungen. Doch ebenso klar ist: Wiesbaden hat gezeigt, dass diese Serie noch lange nicht entschieden ist. Genau deshalb war dieser erste Erfolg für Suhl so wichtig — und genau deshalb macht er Lust auf mehr.