Ein Abend am Limit – wie der VfB Suhl in Münster Haltung zeigte
Es sind diese Abende, die bleiben. Nicht, weil alles glatt lief. Sondern gerade, weil es schwierig wurde. Der 3:1-Auswärtssieg (15:25, 25:18, 25:19, 26:24) des VfB Suhl beim USC Münster war genau so ein Spiel – ein Abend voller Emotionen, Wendungen und einer Mannschaft, die sich nicht aus der Ruhe bringen ließ, als alles um sie herum lauter wurde.
Der Beginn der Partie deutete zunächst nicht auf einen erfolgreichen Abend für die Suhlerinnen hin. Der VfB fand nur schwer ins Spiel, wirkte gehemmt, während Münster mutig aufspielte und den ersten Satz deutlich für sich entschied. Es war ein klassischer Fehlstart – einer, der Zweifel säen kann, gerade in einer Phase der Saison, in der jeder Punkt Bedeutung hat.
Doch genau hier zeigte sich früh, was diese Suhler Mannschaft in dieser Saison auszeichnet. Der verlorene erste Satz wurde nicht zum Ballast, sondern zum Ausgangspunkt. Mit dem zweiten Durchgang veränderte sich das Bild: mehr Ruhe, mehr Konsequenz, mehr Präsenz. Suhl übernahm Schritt für Schritt die Kontrolle, stabilisierte Annahme und Abwehr und setzte offensiv die richtigen Akzente. Der Lohn war der verdiente Satzausgleich.
Auch im dritten Satz blieb der VfB bei sich. Das Spiel wurde intensiver, die Halle lauter, die Ballwechsel länger. Münster versuchte, den Rhythmus zu stören, doch Suhl antwortete mit Geschlossenheit. Nicht spektakulär, sondern konzentriert. Punkt für Punkt. Die Führung war erarbeitet – aber noch lange nicht abgesichert.
Der vierte Durchgang wurde schließlich zum emotionalen Brennpunkt dieses Abends. Das Spiel lief anfangs wie in den beiden Sätzen vorher, kippte aber dann, die Stimmung in der Halle am Berg Fidel kochte hoch. Entscheidungen der Schiedsrichter sorgten zum Ende des entscheidenden Satzes für Diskussionen, die Hektik nahm zu. Münster kämpfte verbissen, hatte Satzbälle, wollte den Entscheidungssatz erzwingen. Als zunächst Lara Nagels – in Vertretung der Kapitänin – nach einem Protest verwarnt wurde und wenig später auch Cheftrainer László Hollósy die Rote Karte sah und die Seitenlinie verlassen musste, schien das Spiel endgültig an einem kritischen Punkt angekommen zu sein.
In solchen Momenten zeigt sich, wie stabil ein Team wirklich ist. Ohne Trainer an der Seitenlinie, unter Pfiffen, unter Druck, mit drohendem Tiebreak – der VfB Suhl bewahrte Haltung. Besonders Außenangreiferin Mackenzie Foley übernahm Verantwortung. Mit vier Punkten in Folge brachte sie ihr Team zurück in die Erfolgsspur, beruhigte das Spiel und setzte sportlich das entscheidende Zeichen. Gemeinsam im Team erarbeitete sich Suhl in dieser angespannten Phase den Sieg.
Dieser letzte Ballwechsel verhinderte nicht nur den Gang in den Tiebreak, sondern sicherte dem VfB drei enorm wichtige Punkte in der Fremde. Punkte, die den zweiten Tabellenplatz festigen – aber vor allem Punkte, die aus einer Phase stammen, in der Charakter gefragt war.
Zur wertvollsten Spielerin des Abends wurde Brancuska gewählt, doch dieser Sieg war kein Werk Einzelner. Besonders bemerkenswert war eine Szene kurz vor Schluss: Bei 22:24 aus Suhler Sicht forderte Lara Nagels eine Auszeit, sammelte die Mannschaft und schwor sie geschlossen auf den Sieg ein. Ein Moment, der sinnbildlich steht für diesen Abend – für Verantwortung, Zusammenhalt und das Prinzip: Einer für alle. Alle für einen.
Der VfB Suhl hat in Münster nicht nur ein Spiel gewonnen. Er hat gezeigt, dass er auch unter widrigen Umständen bei sich bleibt. Eine Eigenschaft, die in dieser Saisonphase unbezahlbar ist – und die Mut macht für die kommenden Aufgaben.