11 February 2026

Interview mit Laszlo Hollosy

Hollosy: „Ich bin kein Egozentriker“

(Veröffentlicht in Südthüringen - Kein Autorenname vorhanden)

Laszlo Hollosy, Trainer des Volleyball-Bundesligisten VfB Suhl Lotto Thüringen, über das Endspiel am 28. Februar – und über Druck, Erfolg und Unterstützung.

Dass er auch im sechsten Jahr noch beimVfB Suhl als Cheftrainer arbeiten würde, das hätte Laszlo Hollosy selbst nicht gedacht. Nun steht der Ungar mit dem Volleyball-Bundesligisten im Pokalfinale.


Herr Hollosy, es sind zwar noch ein paar Tage hin bis zum großen Spiel, aber sind Sie schon nervös?

Nein, noch nicht. Natürlich ist es für uns ein großes Event, aber persönlich habe ich schon mehrere Pokalfinals gespielt, zuhause in Ungarn zum Beispiel. Es ist immer etwas Besonderes für einen Trainer und seine Mannschaft, aber gerade versuchen wir das Team bestmöglich auf die kommenden Spiele in der Bundesliga vorzubereiten. 


Waren Sie denn schon einmal in Mannheim?

Noch nicht, es wird also völlig neu sein für mich. Aber ich habe schon gehört, dass es eine tolle Halle ist, in die zwölf bis 14.000 Zuschauer passen – ich bin also sicher, dass es für alle eine schöne Erfahrung ist, die ebenso schöne Erinnerungen kreieren wird, natürlich auch für die Fans. Aber wir werden dort nicht als Touristen hinfahren, sondern haben ernste Ziele, die wir erreichen wollen. Aber ganz sicher werden wir alle eine schöne Zeit in Mannheim haben.


Kleine Fangfrage: Wer bestreitet das Finale der Männer?

Ja ja, ich habe da etwas gelesen. Ich bin auch wirklich froh darüber, dass wir zusammen mit den Männern die Finals spielen. Ich hatte schon öfter geplant, mal zu einem Männer-Spiel zu fahren – nicht nur weil ein paar gut aussehende Typen dabei sind, sondern weil es für meine Spielerinnen wichtig ist zu verstehen, was es bedeutet dynamischen und aggressiven Volleyball zu spielen. Ich erinnere mich an einen Tag vor drei oder vier Jahren, als wir mit Danielle Harbin zu einem Spiel nach Frankfurt fuhren, als sie gegen Berlin spielten. Danielle war danach im Training zwei Wochen derart motiviert und hat immer gesagt: Ich möchte wie ein Mann angreifen. 

Mal sehen, vielleicht haben wir beim Pokalfinale die Chance, ein paar Ballwechsel der Männer zu verfolgen. Auch wenn wir nach dem Spiel vielleicht etwas zu feiern haben, werde ich diese Chance auf jeden Fall wahrnehmen.

Würden Sie das Erreichen des Pokalfinals als Ihren bisher größten Erfolg beim VfB Suhl bezeichnen?

Für meine Arbeit hier in Suhl stimme ich auf jeden Fall zu. Natürlich bin ich auch stolz auf meine Bronzemedaille in der vergangenen Saison. Als ich hier angefangen habe, hat niemand erwartet, dass wir Sechster werden würden. Danach hatte wiederum niemand erwartet, dass wir uns stabil in der Bundesliga halten würden und so weiter und so weiter. Für Trainer zählen natürlich immer die Medaillen, und klar ist das Pokalfinale ein Highlight für meine Zeit hier in Suhl, aber hoffentlich wird es nicht unser letztes Finale sein. 


Das Ligaspiel gegen Stuttgart eine Woche vor dem Finale wird nun automatisch zu einer Generalprobe. Werden Sie zocken?

Dieses Spiel ist wichtig für uns, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch um den zweiten, dritten oder vierten Platz kämpfen. Beide Trainer werden noch nicht alle Karten auf den Tisch legen. Stuttgart wird sicher rotieren, Konstantin Bitter hat ja diesbezüglich auch mehr Möglichkeiten. Ich erinnere mich an die letzte Saison, als wir kurz vor den Playoffs in der Liga auf Potsdam getroffen sind und ich den Mädels gesagt habe: bitte versteht, dass ich euch nicht zu hundert Prozent vorbereiten werde. Natürlich könnt ihr gewinnen, aber ich werde Riccardo (Boieri, ehemaliger Trainer des SC Potsdam – d. Red.) nicht schon alles auf dem Präsentierteller überreichen. Es hat sich gezeigt, dass dies einer der Faktoren war, dass wir Potsdam am Ende in den Playoffs schlagen konnten. Stuttgart wird ein anderer Gegner sein, und auch hier möchte ich nicht schon alles zeigen. Stuttgart ist der Favorit, wenngleich wir kämpfen wollen und werden.


Wie oft sprechen Sie in diesen Tagen mit Stuttgarts Trainer Konstantin Bitter?

Wir haben natürlich keine tägliche Verbindung zueinander, aber wir kennen uns gut – schon seit er Trainer in Erfurt war. Wir haben auch miteinander kommuniziert, als die Liga unser Spiel in Stuttgart schon zwei Tage nach unserer Rückkehr aus Bukarest angesetzt hatte. Da ist die Liga meiner Meinung nach nicht sehr respektvoll mit uns umgegangen, aber mit Konstantin habe ich das alles klären können. Mein Problem war nur, dass ich meine Mannschaft, die nicht so viele Spielerinnen wie Stuttgart oder Schwerin hat und zuvor alle drei bis vier Tage ein Spiel hatte, nicht gut vorbereiten konnte. Unserer Bitte, das Spiel um einen Tag vorzuziehen, ist die Liga nicht nachgekommen. Das hat mir natürlich überhaupt nicht gefallen.


Wird Ihr Erfolg in Suhl bei Ihnen daheim in Ungarn wahrgenommen?

Ja, die Zeitungen haben schon darüber geschrieben, dass wir als Verein mit geringeren finanziellen Mitteln im Pokalfinale stehen. Auch die Webseite des ungarischen Verbandes hat diese Information geteilt. Ich bin froh, dass sie mich auf diese Weise verfolgen, aber ich bin jetzt nicht der Typ, der sagt: Hey, schaut, was ich erreicht habe. Ich bin kein Egozentriker.


Wird Ihre Familie in Mannheim dabei sein?

Natürlich werden Csilla und Laszlo kommen. Leider werden es meine Mutter und mein Stiefvater nicht schaffen, da sie einige gesundheitliche Probleme hat. Sie wird es aber im Fernsehen verfolgen.


Mal abgesehen von Sieg oder Niederlage: Was bedeutet Ihnen Erfolg ganz generell?

Ich habe ja schon öfter mein Motto erwähnt, das da lautet: Erfolg ist eine Folge und darf nicht das Ziel sein. Ich bin sehr froh darüber, was wir in Suhl bisher erreicht haben. Schritt für Schritt, Jahr für Jahr konnten wir alle zusammen Fortschritte machen. Das ist alles nicht zufällig entstanden, im Gegenteil. Vor drei Jahren haben wir im Challenge Cup gespielt, dieses Jahr im CEV-Pokal, jedes Jahr sind wir in der Bundesliga wettbewerbsfähig. Im letzten Jahr haben wir wichtige Spielerinnen wie Anna Artyshuk, Jette Kuipers oder Julia de Paula verloren, die bis dahin eher unbekannt waren. Jetzt haben wir Spielerinnen wie Monika Brancuska, Mackenzie Foley, Sanaa Dotson oder die jungen wie Svea Naujack und Hannah Hartmann – und ich sehe es auch als Erfolg an, dass sie sich bei uns für andere Vereine empfehlen. Jedes Mal haben wir es geschafft, ein gutes Team zusammen zu stellen. 

Wir haben ja schon über egozentrische Trainer gesprochen, und ich muss zugeben, dass ich in jungen Jahren auch so einer war. Einige Trainer und Spielerinnen interessieren sich für das Geld, das sie verdienen können. Für mich ist das zweitrangig, da Volleyball meine Leidenschaft ist. Mannschaften wie Schwerin, Dresden oder Tabellennachbarn zu schlagen, ist für mich wichtiger als Tausende von Euros zu verdienen.


Was betrachten Sie als die wichtigste Lektion, die Sie vom Volleyball gelernt haben?

Ich habe sehr jung als Trainer angefangen. Das war mit zwanzig – also in einem Alter, in dem andere mit ihrer Spielerkarriere beginnen. Vielleicht weil ich nicht der Größte bin, wird mir manchmal ein Napoleon-Komplex nachgesagt. Früher war ich auch egozentrisch unterwegs, habe die Spieler als Material, als Mittel zum Erfolg angesehen. Später hat da ein Umdenken eingesetzt. Die Spielergenerationen verändern sich etwa alle zehn Jahre, da musst du deinen Coachingstil auch ändern, sonst möchte niemand mehr mit dir arbeiten. 

Mir wird oft nachgesagt, ich sei ein sehr strenger Trainer, aber das kann nur jemand sagen, der mich nicht kennt. Die Spieler oder Spielerinnen, die mich kennen wissen, dass ich harte Arbeit mag. Und wenn ich sehe, dass sie nicht faul sind und sich weiterentwickeln wollen, dann bin ich auch gut zu ihnen. Nehmen wir doch mal die großen Idole wie Roger Federer, Novak Djokovic oder Michael Jordan, die ihrem Erfolg alles untergeordnet und viel geopfert haben. Ich versuche immer, ehrlich und respektvoll zu sein. Ich möchte immer auf einem so hohen Level wie möglich arbeiten.

Nehmen wir mal an, Sie gewinnen das Pokalfinale. Wie belohnen Sie sich?

Solche Überlegungen sind nicht mein Ding. Klar wäre es schön, den Titel zu holen. Aber wir haben ohnehin nicht viel Zeit zum Feiern, denn vier Tage später haben wir schon wieder ein Auswärtsspiel in Schwerin. Aber es wäre schon der wertvollste Titel meiner jüngeren Trainerkarriere.

Manche sagen, dass es auch der am einfachsten zu gewinnende Titel ist. Und was antworten Sie eigentlich den Leuten, die sagen, Sie hätten Glück mit der Auslosung gehabt?

Zunächst einmal: Stuttgart ist der Favorit. Aber wir kommen aus dem Wald und werden für die Jagd auf das goldene Reh bereit sein.

Zum vermeintlichen Glück mit der Auslosung: Letztes Jahr stand Münster im Finale und war in der Liga nur Siebenter. Ein Pokalfinale zu bestreiten hat grundsätzlich nichts mit Glück zu tun. Dann könnte man umgekehrt ja auch sagen, dass wir letztes Jahr Pech hatten, als wir nach dem Achtelfinalsieg gegen Schwerin eine Runde später auf Dresden getroffen und ausgeschieden sind. Um den Titel zu holen musst du jeden Gegner schlagen, der kommt.