Mut verloren, Kampf gezeigt – Suhls Europatraum zerplatzt in Voluntari
Die europäische Reise des VfB Suhl Lotto Thüringen endet an einem Abend, der sich langsam, schmerzhaft und unausweichlich zuspitzt. Was mit Hoffnung, Selbstvertrauen und der Erinnerung an eine starke Vorstellung in der Wolfsgrube begann, endet in der Polivalenta-Halle von Voluntari mit Ernüchterung, Frust – und dem bitteren Gefühl, dass an diesem Tag einfach zu viel fehlte. Das 0:3 im Rückspiel und das 10:15 im Golden Set sind nackte Zahlen. Doch sie erzählen nur einen Teil dieser Geschichte.
Denn dieses Spiel war mehr als ein klares Ergebnis. Es war ein Duell auf internationalem Niveau, geprägt von taktischer Disziplin, mentaler Stärke – und einem Gegner, der perfekt vorbereitet war. Der italienische Trainer Giovanni Caprara hatte seine Mannschaft vom CSO Voluntari hervorragend auf dieses entscheidende CEV-Pokalspiel eingestellt. Voluntari wusste genau, was zu tun war: ruhig bleiben, Fehler minimieren, Druck aufbauen – und warten.
Der VfB startete dennoch gut. Wie schon im Hinspiel fanden die Suhlerinnen zunächst in die Partie, hielten das Spiel offen und begegneten dem Heimteam auf Augenhöhe. Doch im Gegensatz zur Wolfsgrube fehlte diesmal etwas Entscheidendes: die letzte Überzeugung. Voluntari stand extrem stabil in Annahme und Abwehr, las das Suhler Spiel aufmerksam und verteidigte mit einer Konsequenz, die jeden Punkt zu einem Kraftakt machte. Jeder Angriff musste hart erarbeitet werden, einfache Lösungen gab es nicht.
Im ersten Satz zeigte sich bereits, was diesen Abend prägen sollte. Suhl kämpfte, glich aus, kam zurück – doch in den entscheidenden Momenten war Voluntari einen Tick klarer, einen Schritt weiter. Der Block der Rumäninnen griff immer wieder im richtigen Augenblick zu, nahm den Suhlerinnen den Wind aus den Segeln und setzte erste mentale Nadelstiche.
Der zweite Satz wurde zum Wendepunkt – und zum emotionalen Bruch. Ein 9:1-Start für den VfB, später 16:12, sogar 19:13. Alles schien angerichtet. Doch genau hier begann das Spiel zu kippen. Statt mit Mut und Entschlossenheit weiterzuspielen, schlichen sich Zweifel ein. In manchen Phasen agierten die Suhler Frauen zu ängstlich, fast gehemmt – als würde die Angst vor dem Verlust größer sein als der Wille zum Gewinnen. Voluntari blieb ruhig, spielte stoisch weiter, glaubte an den eigenen Plan. Und drehte den Satz.
Dieser Moment wirkte nach. Der VfB suchte seine Form, suchte die Leichtigkeit aus dem Hinspiel – fand sie aber nicht. Die Wolfsgrube, mit ihrer Wucht, ihrer Nähe, ihrer emotionalen Energie, fehlte spürbar. Suhl konnte nicht an die Leistung anknüpfen, die acht Tage zuvor noch getragen hatte. Der Mut, der damals so präsent war, wich einer Vorsicht, die auf internationalem Niveau gnadenlos bestraft wird.
Auch im dritten Satz hielt der VfB dagegen. Aufgeben war keine Option. Doch Voluntari war in diesen Phasen die reifere Mannschaft: stabil in der Annahme, aufmerksam in der Abwehr, eiskalt im Block. Die Suhlerinnen mussten um jeden Punkt ringen – und verloren dabei zunehmend den Zugriff auf ihr eigenes Spiel.
Im Golden Set schließlich brachen alle Dämme. Annahmeprobleme erschwerten den Spielaufbau, Zuspieloptionen wurden vorhersehbar, der Druck wuchs mit jedem Ballwechsel. Während Voluntari befreit aufspielte, schien Suhl innerlich gefesselt. Die Halle explodierte, der Gegner feierte – und der VfB konnte nur zusehen, wie der Traum vom Weiterkommen zerplatzte.
„Diese Niederlage schmerzt gerade richtig“, schrieb Kapitänin Roosa Laakkonen – Worte, die das Gefühl dieses Abends auf den Punkt bringen. Es war kein Scheitern an fehlendem Können, sondern an Momenten, an Mut, an mentaler Klarheit. Auch Trainer László Hollósy sprach von vergebenen Chancen, von fehlender Verantwortung in den Schlüsselsituationen.
Und doch bleibt bei aller Enttäuschung auch diese Erkenntnis: Der VfB Suhl ist an einem Gegner gescheitert, der auf diesem Niveau kaum Fehler machte, der perfekt vorbereitet war und seine Qualität über die gesamte Spielzeit abrief. Daraus lässt sich lernen – über internationale Härte, über Coolness, über den Glauben an die eigene Stärke.
Die europäische Reise endet hier. Aber sie hinterlässt Spuren, Erfahrungen – und die Gewissheit, dass dieser VfB wieder zurückkehren kann. Stärker. Reifer. Und mit dem Mut, den es braucht, um solche Abende künftig für sich zu entscheiden.