Was für ein Abend in der Wolfsgrube! Schon bevor der erste Ball flog, lag etwas in der Luft. Vielleicht war es der Duft von Glühwein aus dem Foyer. Vielleicht die Vorfreude auf ein weiteres Heimspiel. Vielleicht dieser ganz besondere Suhler „Wir packen das!“-Spirit. Der Weihnachtsmarkt hatte erst zwei Tage vorher eröffnet – und auch in der Halle war Adventsstimmung zu spüren: Rote Kerzen leuchteten auf den LED-Banden, bunte Bäume flimmerten über das Spielfeld. Doch die größte Wärme kam wie immer von den Fans – laut, treu und voller Herzblut.
Und dann begann das Duell gegen den VC Wiesbaden. Ein Gegner, der in dieser Saison schon so manchen Favoriten geärgert hatte. Niemand in Suhl nahm diese Partie auf die leichte Schulter. Und doch erwischten unsere Mädels keinen perfekten Start. 0:3 – ein Rückstand, der für einen Moment die Luft aus der Halle nahm. Die kraftvollen Angriffe, sonst das Markenzeichen des VfB, wollten nicht so recht zünden. Wiesbadens Pleun van der Pijl nutzte das gnadenlos aus und punktete immer wieder.
Aber wer die Suhlerinnen kennt, weiß: Aufgeben kommt nicht infrage. Und wer die Wolfsgrube kennt, weiß: Hier wird niemand allein gelassen. Die Fans schoben ihre Mannschaft nach vorn, lauter, entschlossener, fordernder. Und plötzlich passierte das, was man so oft erlebt hat: Die Stimmung kippte – und mit ihr das Spiel.
Satz zwei wurde zum Wendepunkt. Mit jedem Punkt stieg die Energie. Über 8:6, 12:7 und schließlich 20:12 rollte der VfB wie ein Sturm über Wiesbaden hinweg. Monika Brancuska spielte sich richtig heiß, ihre Angriffe ließen die Halle erbeben. Der Ausgleich war nur der Anfang.
Der dritte Satz wurde zu einem Nervenspiel. Beide Teams lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, kein Ballwechsel war geschenkt. Wiesbaden bäumte sich auf, Suhl kämpfte zurück – und immer wieder schallte es durch die Halle: „VfB! VfB! VfB!“ Als die Konzentration kurz nachließ, nahm Hollosy die Auszeit. Ein kurzer Moment. Ein tiefes Durchatmen. Und dann kam die Antwort: Brancuska übernimmt, bringt das Team zurück – und sichert den Satzgewinn.
Im vierten Durchgang hatten unsere Mädels das Heft endgültig in der Hand. Wiesbaden versuchte weiter, gegenzuhalten, doch Suhl hatte nun die größere Cleverness, die größere Wucht und vor allem: den größeren Willen. Als der letzte Ball, vom wohl längst Ballwechsel des gesamten Spiels, den Boden außerhalb des Spielfeldes berührte, explodierte die Wolfsgrube in Jubel. 3:1. Wieder drei Punkte. Wieder ein Abend, den man so schnell nicht vergisst.
Doch ein Spiel in Suhl ist mehr als nur Volleyball. Es sind die Menschen, die dazugehören: Sandra Bindseil, die am Versorgungsstand alles gibt und manchmal nicht einmal den Spielstand mitbekommt, weil die Schlange bis zur Hallenmitte reicht. Opa Herbert Ries, der mit seinen Enkelinnen Emily und Lilly ein neues Trikot kauft – Familienmomente, die zeigen, wie tief der Verein verwurzelt ist. Die festlich geschmückten LED-Banden, gestaltet von Hannah Fleischmann, die jedem Heimspiel ein Stück Atmosphäre schenkt. Und die vier Wiesbadener Trommler, die zwar verlieren, aber trotzdem respektvoll und gut gelaunt abreisen.
Es war ein Abend voller Herz, Spannung und Leidenschaft – genau das, was den VfB Suhl ausmacht. Und eins steht fest: Es läuft. Und es läuft nicht zufällig.