16 December 2025

VfB Suhl gegen SSC Palmberg Schwerin

Pokalfieber, Meistersturz, Ekstase: Der VfB Suhl reitet weiter auf der Erfolgswelle

Der VfB Suhl LOTTO Thüringen hat ein weiteres Ausrufezeichen in dieser Saison gesetzt – und was für eines. Nur wenige Tage nach dem historischen Einzug ins DVV-Pokalfinale bezwangen die Südthüringerinnen auch den amtierenden Deutschen Meister SSC Palmberg Schwerin mit 3:1 (25:23, 25:20, 22:25, 25:19). Vor 1439 begeisterten Zuschauern in der stimmungsvollen Wolfsgrube bestätigte der VfB eindrucksvoll seine aktuell überragende Form und untermauerte, dass dieser Höhenflug weit mehr ist als ein kurzer emotionaler Ausschlag nach dem Pokal-Coup.

Die Ausgangslage vor dem Spiel war brisant. Nach dem kräftezehrenden Pokalhalbfinale gegen den Dresdner SC stellte sich die große Frage: Wie viel Energie steckt noch im Akku? Würde der VfB bewusst Tempo rausnehmen oder weiterhin kompromisslos auf Angriff setzen, um den Anschluss an die Ligaspitze zu halten? Die Antwort folgte schnell – und sie war eindeutig. Suhl trat von Beginn an selbstbewusst, emotional und hellwach auf, getragen von einer Halle, die den Pokalfinalisten frenetisch feierte. Schon vor dem ersten Aufschlag war klar: Dieses Team glaubt an sich.

Auf dem Feld zeigte sich dieses Selbstvertrauen in klaren Aktionen, mutigem Spiel und einer bemerkenswerten Geschlossenheit. Der VfB bestimmte die Anfangsphase, setzte sich früh ab und ließ sich auch vom zwischenzeitlichen Ausgleich der Schwerinerinnen nicht beirren. Spielerinnen wie Sanaa Dotson, Monika Brancuska und MacKenzie Foley übernahmen Verantwortung, während die Mannschaft insgesamt durch intensive Kommunikation und ständige Abstimmung auffiel. Besonders auffällig: Unter der Führung von Zuspielerin Lara Nagels war jederzeit spürbar, dass jedes Teammitglied wusste, was zu tun ist – und dass man sich gegenseitig vertraute.

Der erste Satz ging knapp, aber verdient an Suhl. Im zweiten Durchgang legten die Gastgeberinnen noch einmal nach, erhöhten den Druck und zwangen Schwerins Trainer Felix Koslowski früh zu Auszeiten. Blockarbeit, Feldabwehr und Aufschlagdruck griffen perfekt ineinander. Auch die Liberas hatten großen Anteil daran, dass Schwerin kaum zu einfachen Punkten kam. Vor allem Emma Sambale zeigte eine herausragende Leistung in der Annahme – kaum ein Ball ging verloren, fast jede Annahme fand präzise den Weg zur Zuspielerin. Diese Stabilität im ersten Ballkontakt war ein entscheidender Faktor für das druckvolle Suhler Angriffsspiel.

Nach der 2:0-Satzführung schien Schwerin im dritten Satz noch einmal aufzuwachen. Der Meister nutzte eine kurze emotionale Delle im Suhler Spiel, zog davon und entschied den Durchgang für sich. Doch was diese Mannschaft derzeit auszeichnet, ist ihre mentale Stärke. Statt zu wackeln, nahm sich der VfB die nötige kurze Verschnaufpause – und schlug im vierten Satz umso entschlossener zurück.

Angetrieben von einer überragenden MacKenzie Foley, die kaum zu stoppen war und folgerichtig als „Goldene MVP“ ausgezeichnet wurde, fand Suhl wieder zu seinem aggressiven Spielstil. Foley wuchs über sich hinaus, punktete aus allen Lagen und setzte gemeinsam mit Brancuska und Co. die Schweriner Defensive permanent unter Druck. Auch defensiv zeigte der VfB große Leidenschaft, pflückte Angriffe herunter und verwandelte jeden gewonnenen Punkt in neue Energie. Am Ende ließ Suhl keinen Zweifel mehr aufkommen und beendete das Spiel souverän – ohne den Umweg über den Tiebreak.

Dieser Sieg war weit mehr als nur ein weiterer Erfolg in der Tabelle. Er war Ausdruck einer geschlossenen Teamleistung auf höchstem Niveau. Jede Spielerin, die auf dem Feld stand, trug ihren Teil zu diesem Triumph bei. Ob Startformation oder Einwechselspielerin – alle fügten sich nahtlos ein und hielten das hohe Niveau. Besonders bemerkenswert ist dabei die physische und psychische Stärke, innerhalb von nur vier Tagen zwei absolute Top-Leistungen gegen Dresden und Schwerin abzurufen. Das spricht für exzellente Vorbereitung, große Überzeugung und einen außergewöhnlichen Teamgeist.

Die Stimmung im „VfB-Universum“ könnte derzeit kaum besser sein. Pokalfinaleinzug, Sieg gegen den amtierenden Meister, vorübergehend Platz zwei in der Bundesliga – der VfB Suhl ist angekommen im Kreis der absoluten Spitzenteams. Der viel zitierte „VfB-Zug“ rollt – und aktuell scheint er tatsächlich keine Bremsen zu haben. Gleichzeitig bleibt der Blick nach vorn gerichtet: Der Pokalfinal-Zug wartet noch auf sein großes Ziel, und auch in der Liga sind die nächsten Herausforderungen bereits in Sicht.

Eines steht jedoch fest: Dieses Spiel war Werbung für deutschen Spitzen-Volleyball – emotional, intensiv und auf höchstem Niveau. Und der VfB Suhl LOTTO Thüringen hat eindrucksvoll gezeigt, dass in dieser Saison noch sehr viel mehr möglich ist.