Ein Derby, ein Statement: VfB Suhl lässt keinen Zweifel an seiner Macht
Was für ein Nachmittag. Was für ein Derby. Was für ein klares Zeichen. Der Thüringenderbysieger 2026 heißt einmal mehr VfB Suhl Lotto Thüringen. In einer Halle, die eigentlich dem Handball gehört, in einer Stadt, die nicht Suhl heißt, und doch unter klaren Vorzeichen stand: Dieses Spiel gehörte den Frauen aus dem Süden des Freistaats. Mit einem souveränen, zugleich emotional aufgeladenen 3:0 (25:19, 25:21, 25:15) gegen Schwarz-Weiß Erfurt setzte der VfB ein weiteres Ausrufezeichen in einer ohnehin starken Saison – und ließ keinen Zweifel daran, wer aktuell die Nummer eins in Thüringen is
Dabei begann der Nachmittag am ersten Samstag des neuen Jahres keineswegs als Selbstläufer. Die ungewohnte Umgebung der Werner-Aßmann-Halle in Eisenach verlangte zunächst Orientierung, das Derby brauchte ein paar Ballwechsel, um seine Temperatur zu finden. Schwarz-Weiß Erfurt stemmte sich mit allem, was zur Verfügung stand, gegen die favorisierten Suhlerinnen. Feine Nadelstiche, mutige Angriffe, ein sichtbar gewachsener Wille – Erfurt war da, präsent, bereit zu kämpfen. Und doch: Suhl blieb Suhl. Abgeklärt. Ruhig. Wachsam.
Als es im ersten Satz kurzzeitig enger wurde, als Erfurt beim 16:15 sogar Hoffnung schöpfte, schaltete der VfB einen Gang höher. MacKenzie Foley übernahm Verantwortung, Monika Brancuska setzte ihre erste Duftmarke, und plötzlich kippte das Spielgeschehen spürbar. Drei, vier entschlossene Aktionen reichten – und aus einem offenen Satz wurde eine klare Suhler Angelegenheit. 25:19. Führung. Kontrolle.
Der zweite Durchgang wurde zum emotionalen Herzstück dieses Derbys. Erfurt steigerte sich deutlich, spielte mutiger, präziser, gewann umkämpfte Ballwechsel, ging sogar in Führung. Die Fans spürten: Hier ist Feuer drin. Die Luft war geladen, jeder Punkt ein kleiner Schlagabtausch. Beim 18:17 und 19:18 aus Erfurter Sicht war der Glaube greifbar, das Derby offen. Doch genau in diesen Momenten zeigt sich Klasse. Genau hier trennt sich Hoffnung von Realität.
Denn dann kam Monika Brancuska. Ein Hieb nach dem anderen. Mit Wucht, mit Überzeugung, mit dem Selbstverständnis einer Spielerin, die weiß, wann es zählt. Gemeinsam mit Laura Berger stellte sie im Block die Weichen, riss das Momentum zurück auf Suhler Seite. Innerhalb weniger Ballwechsel verwandelte sich der knappe Spielstand in eine klare Führung. 24:19. Satzball. Sanaa Dotson machte den Deckel drauf. 2:0. Ein emotionales Aufbäumen der Erfurterinnen – und eine eiskalte Antwort des VfB
Spätestens jetzt war klar: Suhl lässt heute nichts anbrennen. Der dritte Satz geriet zur Machtdemonstration. Nicht, weil Erfurt aufgab – im Gegenteil. Die Schwarz-Weißen kämpften weiter, warfen alles in die Waagschale, wollten diesen Abend zu einem echten Derby machen. Doch Suhl war zu stabil, zu souverän, zu geschlossen. Punkt für Punkt zogen Laakkonen und Co. davon, ohne Hektik, ohne Übermut, aber mit einer Klarheit, die beeindruckte.
25:15. Der letzte Ball fällt. Jubel. Erleichterung. Und das leise, aber deutliche Gefühl: Dieses Team weiß genau, was es will. Der VfB Suhl spielte nicht spektakulär um jeden Preis, sondern effektiv, reif und mit der nötigen emotionalen Schärfe. Genau das, was große Mannschaften in Derbys auszeichnet.
1900 Zuschauer sahen das erste Volleyball-Bundesliga-Thüringenderby in Eisenach – und wurden Zeugen eines Spiels, das weniger von Glanzmomenten lebte als von Haltung. Von Mentalität. Von dem klaren Willen, auch in fremder Halle Gastgeber zu sein. Der VfB Suhl hat Eisenach erobert. Nicht laut, nicht überdreht – sondern mit Nachdruck. Und mit einem weiteren Schritt Richtung Spitzengruppe der 1. Volleyball-Bundesligal.