3 December 2025

CEV Europa-Pokal Dinamo Bukaresti gegen VfB Suhl

Dinamo Bucarest gegen VfB91Suhl

Mit Herz, Mut und Tränen: Suhl schreibt in Bukarest ein europäisches Volleyball-Märchen

Der VfB Suhl Lotto Thüringen hat in Bukarest nicht einfach ein Volleyballspiel bestritten – er hat ein sportliches Kunstwerk geschaffen, das jedem, der es miterlebt hat, unter die Haut ging. Trotz einer 2:3-Niederlage stand am Ende ein Triumph, der größer war als jeder nackte Ergebniseintrag: Suhl steht in der nächsten Runde des CEV-Pokals. Ein Weiterkommen, das sich wie ein kleines Wunder anfühlt.

Der Moment, der alles entschied, gehört einer Frau, die Mut und Entschlossenheit in jeder Faser trägt: Kapitänin Roosa Laakkonen. Als sie ihren Block zum 25:23 im vierten Satz setzte und der Ball im Feld von Dinamo Bukarest einschlug, explodierten die Emotionen. „Jaaa, jaa“, hallte es durch die spärlich gefüllte Halle – und für einen kurzen Moment schien die Zeit stillzustehen. Der VfB hatte die zwei entscheidenden Sätze gewonnen. Die Tür zur nächsten Runde stand offen.

Doch bis dahin war es ein Weg, der stärker an ein episches Drama erinnerte als an einen normalen Europapokalabend. Dinamo Bukarest, getragen von Wucht, Heimvorteil und einem Budget, das vier- bis fünfmal höher ist als das des VfB, drückte von Beginn an aufs Tempo. Der erste Satz blieb eng, ging aber knapp verloren. Was dann folgte, war nichts für schwache Nerven. Rückstände von 13:19, 20:22? Für Suhl kein Grund nachzulassen. Stattdessen entfachten die Thüringerinnen ein kämpferisches Feuer, das die Gastgeberinnen sichtlich aus dem Konzept brachte. Mit 26:24 holte sich der VfB den Satz – und den Glauben.

Dinamo antwortete wie eine Mannschaft, die sich nicht geschlagen geben wollte, holte sich den dritten Durchgang. Doch Suhl wäre nicht Suhl in dieser Saison, gäbe es nicht immer noch eine Reserve an Kampfgeist, an Glaube, an Teamenergie. Und Cheftrainer Laszlo Hollosy hätte nicht dieses Händchen für genau die Spielerinnen, die in genau diesen Momenten gebraucht werden. Hannah Hartmann, Svea Naujack, Alina Nasin – alle drei kamen rein, alle drei veränderten das Spiel. Und auch Irene Ramos Mencia bekam im Tiebreak ihre Chance und führte das Team mit Ruhe und Herz.

Der vierte Satz wurde zum Sinnbild dieses Teams: 11:17 hinten, 19:21 hinten – und doch niemals aufgegeben. Punkt für Punkt kämpfte sich Suhl zurück, unterstützt von den mitgereisten AlwaysSUHLtras, deren Rufe wie ein Echo der Heimat in der Halle wirkten. Und dann kam er: der Ballwechsel, der in die Suhler Volleyball-Geschichte eingehen wird. Nasin serviert, Bukarest greift an, Laakkonen pflückt den Ball konsequent aus der Luft. Block. Punkt. Explosion. Tränen.

Roosa Laakkonen beschrieb diesen Moment später so: „Als ich realisiert habe, dass wir es geschafft haben, musste ich so sehr weinen.“ Worte, die die Intensität dieses Abends deutlicher zeigen als jede Statistik.

Der Tiebreak ging knapp verloren – doch wen interessierte das noch? Suhl hatte alles gegeben, hatte Grenzen verschoben, hatte mit Herz gespielt. Und hatte sich belohnt.

Das war die schönste Niederlage, die man sich wünschen kann. Und eine Liebeserklärung an das, was Sport sein kann: Kampf, Teamspirit und ein Funken Magie.